Unter dem Vulkan – Sonderausstellung. Kunst der Ömie aus Papua-Neuguinea

Am 25. Januar findet eine Kuratorenführung mit Dr. Michaela Appel um 14 Uhr statt.

Unter dem Vulkan. Kunst der Ömie aus Papua-Neuguinea23. Januar bis 8. März 2015
Ab 23. Januar 2015 zeigen wir die Sonderausstellung Unter dem Vulkan. Kunst der Ömie aus Papua-Neuguinea. Zu sehen sind fein gearbeitete und mit traditionellen Mustern fantastisch verzierte Rindenbaststoffe, die in Ozeanien unter dem Namen tapa bekannt sind und aus der inneren Schicht der Rinde von Regenwaldbäumen hergestellt werden. Bei den Ömie-Frauen in Papua-Neuguineas Oro-Provinz hat die Kunst der tapa-Herstellung und Bemalung bis heute Bestand und erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Das ist ironischerweise einer Naturkatastrophe zu verdanken. Denn als 1951 der Vulkan Huvaimo ausbrach, hatten Missionare den Ömie bereits die Ausübung vieler ihrer alten Zeremonien untersagt, darunter auch die Tatauierung des Körpers mit Zugehörigkeits-Mustern der einzelnen Familienclans. Doch zwei einflussreiche Clanälteste deuteten den Vulkanausbruch als Unwillen der Ahnengeister über das Sterben der uralten Traditionen. Sie ermutigten die Ömie, sich vom fremden europäischen Kultureinfluss abzuwenden und sich ihrer eigenen Lebenskultur wieder zuzuwenden, um die auf dem Vulkan Huvaimo wohnenden Geister zu besänftigen. Die Ömie-Frauen begannen selbstbewusst damit, nicht nur weiterhin ihre traditionellen Motive auf Rindenstoff zu malen, sondern überdies althergebrachte Körper-Tattoo-Designs auf tapa zu übertragen.Bemalte tapa-Stoffe werden auch „second skin“ – zweite Haut – genannt. Denn diese Kunst ist kleidsam und wird bei den Ömie – besonders bei zeremoniellen Anlässen – als Wickelrock von Frauen oder Lendentuch von Männern getragen. Bei schnellen Tanzbewegungen erzeugen die bewegten Muster im Auge des Betrachters dann einen optisch schillernden Effekt. Rindenbastsoffe fungieren im übertragenen Sinne aber auch als zweite Haut, die das innerste Wesen oder die Essenz eines Menschen umhüllt und schützt. Überdies spielt tapa eine wichtige Rolle im Gabentausch bei der Heirat.Ausstellung-Museum-Fuenf-Kontinente-Header

Die meisten Motive werden seit vielen Generationen verwendet. Ältere Künstlerinnen, die ein meisterliches Niveau erreicht haben, dürfen ihre eigene uehorëro – Weisheit – malen und erschaffen damit neue Designs. Der Status einer Ömie-Frau richtet sich vor allem nach ihrem Talent, tapa herstellen und bemalen zu können. Kunstfertigkeit bedeutet soziale Karriere.

Weil das Museum Fünf Kontinente auf eine lange Tradition des Sammelns historischer Rindenbaststoffe zurückblicken kann, entschlossen wir uns zu einer Kooperation mit der Galerie ARTKELCH in Freiburg, um nun auch in München zeitgenössische Kunst der Ömie präsentieren zu können. Die Ausstellung zeigt daher eine Auswahl einzigartiger und visuell fesselnder Rindenstoffmalereien, die eigens für den internationalen Kunstmarkt geschaffen wurden. Sie offenbaren das kulturelle Wissen und das Können der führenden Künstlerinnen unter den Ömie, unter ihnen Sarah Ugibari, Fate Savari, Brenda Kesi, Lila Warrimou, Celestine Warina, Botha Kimmikimmi, Dapeni Jovenari, Mala Nari, Elizabeth Guho, Martha-Jean Uhamo, Ivy-Rose Sirimi und Lillias Bujava. Die Werke können als Unterstützung für die Ömie-Artists erworben werden.

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„Ich stelle Kunstwerke aus Tapa her, um der Welt die Stärke der Ömie-Kultur vor Augen zu führen,“ sagt Sarah Ugibari. Und die Ömie-Malerin Fate Savari präzisiert: „Als ich ein kleines Mädchen war, verbrachte ich die ganze Zeit bei meiner Mutter, schaute ihr zu und lernte, all ihre Rindenstoff-Motive zu malen. Sie zeigte mir, wie man gelbe, rote und schwarze Pigmente miteinander mischt. Sie brachte mir alles bei, und jetzt male ich, damit meine Kultur nicht verloren geht und mein kulturelles Erbe fortbesteht.“